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Homage an Coco Chanel aus Grazer Labor

Dr. Anton Glieder (GF ACIB) informiert LR Dr. Christian Buchmann über die Fortschritt aktueller Projekte im Austrian Centre of Industrial Biotechnology (ACIB). © ACIB/Wiesner
Dr. Anton Glieder (GF ACIB) informiert LR Dr. Christian Buchmann über die Fortschritt aktueller Projekte im Austrian Centre of Industrial Biotechnology (ACIB).
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Der Maiglöckchenduft im Modell und in natura: Dr. Mathias Drexler, Dr. Kurt Faber, Dr. Anton Glieder und LR Dr. Christian Buchmann © ACIB/Wiesner
Der Maiglöckchenduft im Modell und in natura: Dr. Mathias Drexler, Dr. Kurt Faber, Dr. Anton Glieder und LR Dr. Christian Buchmann
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Graz, 23. Mai 2011 - Den Maiglöckchenduft gibt es nun mit neuer grüner Note. Im Austrian Centre of Industrial Biotechnology ACIB hat man den Geruchsstoff des Chanel No. 5 biokatalytisch hergestellt - umweltfreundlich und ganz ohne Blumen.


Für „Geheimnis, Opulenz und die unvergängliche Weiblichkeit" steht laut Hersteller Chanel dessen bekanntestes Parfum - die „No. 5". Was hat das mit Biotechnologie und im Speziellen mit dem Externe Verknüpfung Austrian Centre of Industrial Biotechnology (ACIB) zu tun? Die ACIB GmbH mit Geschäftssitz in Graz steht für biotechnologische Forschung auf höchstem Niveau. Schon kurz nach dem ersten Geburtstag zählt man spannende Ergebnisse.

Zum Beispiel mit Bezug zu Coco Chanels Meisterwerk. Das duftet nämlich besonders gut wegen eines Geruchsstoffs aus dem Maiglöckchen, den das Team unter Prof. Kurt Faber an der Karl-Franzens-Universtät Graz mit Hilfe der „biokatalytischen Synthese" - ein Schwerpunktfeld des ACIB - herstellen konnte. Mit Enzymen abgewickelte, biokatalytische Synthesen stehen für „grüne Prozesse", die einfacher steuerbar, umweltfreundlicher, kosten- und energiesparender durchführbar sind als herkömmliche Prozesse.

Die biokatalytische Synthese ist nur einer von fünf Forschungsbereichen des ACIB. Das Ziel über allem ist, „Konzepte und Werkzeuge der Natur für industrielle Prozesse so einzusetzen, dass wertvolle Substanzen oder neue Materialen in besserer Qualität und umweltfreundlicher zugänglich werden", sagt Prof. Anton Glieder, Geschäftsführer und wissenschaftlicher Leiter des ACIB.

 

Kompetenzzentrum als Standortfaktor 

Das K2-Kompetenzzentrum ACIB ist natürlich auch ein wichtiger Standortfaktor. Der steirische Wirtschaftslandesrat Dr. Christian Buchmann sieht im ACIB auch „einen wesentlichen Eckpfeiler" im Leitthema „Health Tech", das im Rahmen der neuen Wirtschaftsstrategie „Wachstum durch Innovation, Steiermark 2020" definiert wurde. Mit 19 von 45 K-Zentren bzw. K-Projekten ist die Steiermark Spitzenreiter im COMET-Programm des Bundes. „Mit 820 Beschäftigten in der Steiermark sind die Kompetenzzentren auch ein Beschäftigungsmotor und Garant für hochqualitative Arbeitsplätze, denn 700 der Beschäftigten sind WissenschafterInnen", so Buchmann.

Die Forschungsleistung des österreichischen K2-Kompetenzzentrums mit Standorten in den Universitätsstädten Graz, Wien und Innsbruck ist beachtlich: Eben erst wurde die Wiener Gruppe des ACIB an der Wiener Universität für Bodenkultur mit dem 2. Platz beim Dr. Wolfgang Houska-Preis ausgezeichnet. Den Preis gab es für entscheidende Vorarbeiten für eine neue Plattform zur Herstellung von Enzymen und Pharmaproteinen.



Umweltfreundliche Lkw-Planen

Das können Antibiotika oder Antiköper ebenso sein wie neue Materialien für Lkw-Planen, die im Forschungsschwerpunkt „Enzyme und Polymere" entwickelt werden. Dort ist es gelungen, Farbstoffe umweltschonend und haltbar auf Lkw-Planen zu fixieren; was nicht zuletzt trendige Taschen a la „Freitag" und „tag.werk"/Caritas zugute kommt.
Und auch Problemen mit Sprengstoffen - zuletzt hielten mehrere Fliegerbomben Graz in Atem - rückt man zu Leibe. Mit Hilfe von Enzymen ist es nun möglich, Sprengstoffe umweltfreundlich abzubauen. Gibt man die Enzyme zur Sprengstoffmischung, wird deren Haltbarkeit begrenzt und die Gefahr stark verringert.



Hefe als Fabrik


Dass Hefe ein kleiner Tausendsassa ist, wissen nicht nur Pizzafans. Im ACIB hat man die Hefeart „Pichia pastoris" zur Produktionsmaschine gemacht. Es geht allerdings nicht um Germteig, sondern um das Herstellen von Enzymen nach Maß im großen Stil. Die Enzyme kommen als umweltfreundliche Biokatalysatoren zum Einsatz. Für entscheidende Vorarbeiten zur neuen „Hefe-Plattform" gab es besagten 2. Platz beim Dr. Wolfgang Houska-Preis für das Team der Boku Wien.

Alles Projekte mit Zukunft - mit Mehrwert für die unmittelbar Beteiligten ebenso wie für die Bürger. Glieder: „Wir finden bessere, günstigere, grünere Prozesse. Wir sichern Standorte, schaffen Ausbildungs- und Arbeitsplätze. Firmen schätzen es sehr, auf hoch qualifizierte Fachkräfte zurückgreifen zu können, die bei uns ausgebildet werden." Wie geht es weiter?

„Unser Ziel ist es, unseren Industriepartnern etwas zurückzugeben, damit sie künftig gerne wieder mit uns zusammenarbeiten und Forschungsprojekte durchführen", so Mathias Drexler, der kaufmännische Geschäftsführer des ACIB. Patente für die Industrie, Renommee für die Universitäten und Forschungsabgeltungen für die Wissenschaftler machen das Kompetenzzentrum zum Gewinnprojekt für alle.