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65 Millionen Euro für die Biotechnologie

v.l.: Harald Kainz (Rektor TU Graz), Christian Buchmann (Wirtschaftslandesrat), Maria Koshanskaya (Masterstudentin), Christof Wachter (Leiter der medizinischen  Abteilung bei Gerot Lannach), Bernd Nidetzky (Wissenschaftlicher Leiter acib), Mathias Drexler (Geschäftsführer acib). © acib
v.l.: Harald Kainz (Rektor TU Graz), Christian Buchmann (Wirtschaftslandesrat), Maria Koshanskaya (Masterstudentin), Christof Wachter (Leiter der medizinischen Abteilung bei Gerot Lannach), Bernd Nidetzky (Wissenschaftlicher Leiter acib), Mathias Drexler (Geschäftsführer acib).
© acib

Graz, 15. Jänner 2015 - Das acib (Austrian Centre of Industrial Biotechnology) geht mit einem auf 65 Millionen Euro aufgestockten Budget in die zweite Förderperiode und wird bis 2019 weiter ein wesentlicher Motor für die Innovationskraft der Steiermark sein und zu Österreichs Renommee im internationalen Hochtechnologie-Bereich beitragen. Mit an Bord ist das steirische Traditionsunternehmen Gerot Lannach mit einem Projekt gegen den Medikamentenmissbrauch.


Mit 1. Jänner 2015 ist das K2-Kompetenzzentrum Austrian Centre of Industrial Biotechnology (acib) in die zweite Förderperiode gestartet. Das Projektvolumen im ge-förderten COMET-Programm für die zweite Förderperiode beträgt 65 Millionen Euro, um fünf Millionen mehr als in der ersten Periode. „Die Steiermark ist mit Abstand die innovativste Region in Österreich und zählt auch unter den 274 Regionen Europas bereits seit Jahren zu den Spitzenreitern. Diese Erfolge sind möglich, weil durch die enge Zusammenarbeit von Wirtschaft und Wissenschaft in den Kompetenzzentren rasch innovative Produkte, Verfahren und Dienstleistungen entwickelt werden können. Das ist der Nährboden für neue Arbeitsplätze. Das acib trägt als eines von drei steirischen Super-Kompetenzzentren wesentlich zur Innovationskraft der heimischen Wirtschaft bei. Ich freue mich, dass die finanziellen Mittel bis 2019 sichergestellt sind. Das ist ein wichtiges Signal für Wachstum und Beschäftigung in der Steiermark", so Wirtschaftslandesrat Dr. Christian Buchmann.

Wie kann die chemische und pharmazeutische Industrie umweltfreundlicher und gleichzeitig wirtschaftlicher gemacht werden? Diese Frage beschäftigt das acib (Austrian Centre of Industrial Biotechnology) seit dem Start im Jahr 2010. „Wir wollen herkömmliche industrielle Prozesse durch neue ersetzen, die auf Methoden und Konzepten der Natur aufbauen und neue Produkte und Technologien entwickeln, die unser aller Leben erleichtern", erläutert Dr. Mathias Drexler, Geschäftsführer (CEO) des acib. Das österreichische Forschungszentrum für industrielle Biotechnologie ist mit 1. Jänner 2015 in die zweite Förderperiode gestartet, welche die Leistungen der ersten För-derperiode noch übertreffen soll. „Wir sind von rund 50 auf rund 200 MitarbeiterInnen gewachsen, verfügen über 40+ KeyresearcherInnen von internationalen Partneruniversitäten und 120+ internationale Projektpartner, wenn wir alle Partner in unseren geförderten, nicht geförderten und EU-Projekten zusammenrechnen. Das Projektvolumen im geförderten COMET-Programm betrug in der ersten Förderperiode 60 Millionen Euro, in der zweiten werden es sogar 65 Millionen Euro sein. Zusätzlich sind wir inzwischen an acht EU-finanzierten Projekten mit einem am acib umgesetzten Finanzvolumen von mehr als 10 Millionen Euro beteiligt." Gestartet ist das acib 2010 mit Standorten in Graz, Wien und Innsbruck. Inzwischen ist das Zentrum zu einer internationalen Partnerschaft mit wissenschaftlichen Standorten in Hamburg, Heidelberg, Bielefeld, Pavia und Barcelona gewachsen.

 

Zahlreiche Highlights

Das acib will nun die industriell und wissenschaftlich erfolgreiche erste Förderperiode übertreffen. „Da haben wir mehr als 40 Forschungsprojekte abgewickelt und zählen 1112 Publikationen und Konferenzbeiträge sowie 36 Patentanmeldungen", berichten Mathias Drexler und Prof. Bernd Nidetzky, wissenschaftlicher Leiter (CSO) des acib. Highlights in den ersten fünf acib-Jahren waren Enzyme, die Plastik abbauen und in wertvolle Ausgangsmoleküle zerlegen, die Entwicklung einer „künstlichen Leber", die erstmals verlässliche Wirkstofftests ermöglicht, „Biolacke" ohne potenziell Krebs erre-gende Schwermetalle, die Entschlüsselung des Genoms des chinesischen Hamsters (die erste Komplettsequenzierung eines Organismus unter österreichischer Federführung) oder das Erschließen von neuen Zuckerquellen und „Biosprit 2.0" aus landwirt-schaftlichen Abfällen statt aus Lebensmitteln wie Getreide. Zuletzt hat das Forschungszentrum mit Firmensitz in der Steiermark bei der weltgrößten Chemie- und Pharmamesse CPHI (36.000 BesucherInnen, 2600 vertretene Unternehmen) den Preis für die Produktinnovation des Jahres gewonnen - mit dem „Enzym-Google-Projekt". Dabei geht es um eine am acib entwickelte Suchmaschine samt Datenbank, mit der man bisher unbekannte Enzymfunktionen entdecken kann; ein Meilenstein für die industrielle Anwendung von Enzymen.

Das Motto der zweiten Förderperiode ist weiter, die Methoden und Konzepte der Natur in die Industrie zu übertragen. Mit Hilfe von Enzymen lassen sich z.B. chemische Reaktionen ohne giftige Lösungsmittel und hohen Energieeinsatz abwickeln. Auf diese Weise entstehen teure Feinchemikalien oder Vorstufen von pharmazeutischen Wirkstoffen. Ein Projekt der Umweltbiotechnologie will mit Hilfe von Mikroorganismen Phosphor und Chrom aus Stahlindustrie-Schlacke herauslösen. Beide Elemente können so anderswo sinnvoll eingesetzt werden und belasten nicht die Umwelt bei der Schlackeaufbereitung und Verwertung. In einem anderen Projekt geht es darum, neues Wissen über den Kunststoffabbau in der Umwelt und vor allem im Wasser zu erlangen; bekanntlich gibt es in den Ozeanen ganze Inseln aus kaum abbaubarem Plastik. Aufbauend auf dieses Wissen können neue Kunststoffe entstehen, die in derartigen Systemen vollständig abgebaut werden können. Zusätzlich forschen die UmweltbiotechnologInnen am acib am Abbau und vollständigen Recycling herkömmlicher Kunststoffe.

Weitere Forschungsschwerpunkte: Verbessern der Zellfabriken Escherichia coli (ein Bakterium), Pichia pastoris (eine Hefe), Trichoderma reesei (ein Pilz) und CHO (Eizellen des chinesischen Hamsters für die Produktion hochwertigster Therapeutika), Herstellen von perfektem Silofutter mit Hilfe eines veränderten Bifidobakteriums (das den Zucker im Heu in eine ausgewogene, ideal verwertbare Mischung von organischen Säuren umwandeln kann), Bakterienmischungen für den biologischen Pflanzenschutz, Entdecken von DNA-Markern in Blutproben, die frühzeitig Hinweise auf Erkrankungen (chronische oder auch Infektionen vor dem Ausbrechen) liefern und vieles mehr.

 

Gerot Lannach gegen Medikamentenmissbrauch

Besonders erfreulich für das acib ist die neue Zusammenarbeit mit Gerot Lannach, einem international aktiven Entwickler und Hersteller von Arzneimitteln mit Firmensitz in Lannach. Gerot Lannach kann auf eine mehr als 60-jährige Firmengeschichte mit umfassender Erfahrung in der Produktion und dem Vertrieb von Arzneispezialitäten verweisen. Die Produkte des Unternehmens findet man in mehr als 30 Ländern. Bei der neuen Kooperation geht es um ein Projekt, das bestimmte Medikamente in der Anwendung sicherer machen soll. Im konkreten Fall geht es um die Substanzgruppe der Opioide, die einen wesentlichen Bestandteil der modernen Schmerztherapie darstellen. Leider kann es bei diesen hochwirksamen Produkten zur missbräuchlichen Anwendung kommen. Beim Projekt von acib und Gerot Lannach geht es darum, mit einem innovativen Ansatz Arzneiformen zu entwickeln, die vor Missbrauch geschützt sind: „Zum Beispiel dadurch, dass der Arzneistoff ausschließlich dort wirkt, wo er therapeutisch benötigt wird, ansonsten aber inaktiv ist", erklärt Christof Wachter, Leiter der medizinischen Abteilung bei Gerot Lannach. „Wir hoffen mit Hilfe dieser neuen Technologie unsere bereits gute internationale Marktposition zukünftig weiter ausbauen zu können."

 

acib und TU Graz - eine erfolgreiche Zusammenarbeit

Die TU Graz ist neben der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) eine der großen Eigentümerinnen des acib. 81 acib-MitarbeiterInnen arbeiten im Umfeld des Campus Neue Technik an Forschungsprojekten, die zusammen mit SchlüsselforscherInnen der TU Graz abgewickelt werden. Mehr als 800 Publikationen (inkl. Kongressbeiträge, Vorträge, Buchbeiträge) und 14 angemeldete Patente sind das Ergebnis der ersten fünf gemeinsamen Jahre. „Universitäre Forschung ist ohne die intensive Vernetzung und Zusammenarbeit mit anderen Forschungseinrichtungen, der Wirtschaft und Industrie heute undenkbar geworden", erklärt Harald Kainz, Rektor der TU Graz, die in Summe 29 Beteiligungen an K-Zentren oder K-Projekten im COMET-Programm der FFG hält, die 1.100 hochwertige Arbeitsplätze in der Region schaffen und 140 Millionen Euro Erlös erwirtschaften. Damit ist die TU Graz Österreichs führende Universität in der Forschungskooperation mit Wirtschaft und Industrie von der Grundlagenforschung bis zur industriellen Umsetzung. Rektor Harald Kainz: „Unsere Beteili-gungen - wie auch jene am acib - sind wertvolle Instrumente, um unseren Grundsatz der aktiven Forschungszusammenarbeit und des Wissenstransfers umsetzen zu können."

 

Weitere Externe Verknüpfung Infos zum acib.