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Familienunternehmen im digitalen Wandel

Herausforderungen und Chancen durch die Digitalisierung

v.l.: Martin Duque, Gernot Winter, Barbara Eibinger-Miedl, Josef Herk. © FH CAMPUS02
v.l.: Martin Duque, Gernot Winter, Barbara Eibinger-Miedl, Josef Herk.
© FH CAMPUS02

Graz, 28. August 2017 - Rund 21.000 steirische Unternehmen sind Familienbetriebe, die mehr als 200.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigen. Was familiengeführte Unternehmen ausmacht und wie diese die Chancen der Digitalisierung nutzen können, untersucht ein Forschungsprojekt am Kompetenzzentrum für Familienunternehmen „FU Forschung Austria" der Fachhochschule CAMPUS 02. Das zweijährige Projekt wird von FH-Professor Martin Duque von der Studienrichtung International Marketing & Sales Management der FH geleitet und vom Wissenschaftsressort des Landes sowie dem Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen KPMG unterstützt.


Rund 20 Prozent der steirischen Familienunternehmen befinden sich in der zweiten Generation, zwölf Prozent bereits in der dritten Generation und acht Prozent sind sogar schon in der vierten Generation oder darüber. Zahlen, die belegen, dass Beständigkeit und Tradition wichtige Eckpfeiler dieser Wirtschaftsorganisation sind.

Klar ist aber auch, dass der wirtschaftliche Erfolg über Jahrzehnte und Generationen hinweg nur durch beständigen Wandel und Mut zur Veränderung möglich ist. Die Digitalisierung, die alle Sektoren der Wirtschaft tiefgreifend verändert, stellt auch Familienbetriebe vor Herausforderungen und erfordert neue Strategien.

Ziel des vorliegenden Projektes ist daher die Entwicklung eines Modells, das steirischen Familienunternehmen dabei helfen soll, die Chancen der Digitalisierung nachhaltig zu nutzen. Dabei gilt es aber nicht nur, die Fragestellungen der technologischen und wirtschaftlichen Dimension zu klären, sondern herauszuarbeiten, wie Familienunternehmen „ticken", um ihnen die richtigen Beratungsansätze liefern zu können. Dazu FH-Prof. Martin Duque: „Der erste Meilenstein des Projektes liegt in der Erforschung der Charakteristika von Familienunternehmen. Ausgewählte Besonderheiten wie das Denken in Generationen, das Führen im ständigen Familieneinfluss, die soziale Verankerung im regionalen Umfeld oder die emotional aufgeladenen Situationen von Generations- und Führungswechsel sind nur einige Punkte, die entscheidend für Veränderungsprozesse sind. Will man Familienunternehmen gerecht werden, müssen alle Ebenen der Untersuchung mit diesen Besonderheiten und gleichzeitig mit den handelnden Menschen in Verbindung gebracht werden." Dabei trägt die interdisziplinäre Betrachtungsweise von Ökonomie, Psychologie und Soziologe dazu bei, rationale Argumente und Fakten mit emotionalen Hürden in Einklang zu bringen, damit der Wandel positiv bewältigt werden kann.

Landesrätin Barbara Eibinger-Miedl dazu: „Familienunternehmen haben eine große Bedeutung für den Wirtschaftsstandort Steiermark. Sie sind wichtige Arbeitgeber, bilden Lehrlinge aus und sorgen für Wertschöpfung und damit Lebensqualität in den steirischen Regionen. Die Digitalisierung stellt unsere Unternehmen vor neue Herausforderungen. Ich bin aber davon überzeugt, dass die Digitalisierung gerade für ein Innovations- und Forschungsland wie die Steiermark große Chancen bietet. Das Forschungsprojekt der FH CAMPUS 02 unterstützt unsere steirischen Familienbetriebe dabei, dieses Potenzial zu nutzen, weil es ein wissenschaftlich fundiertes Modell mit konkreten Handlungsempfehlungen für die Unternehmen bietet."

Das Kompetenzzentrum für Familienunternehmen an der FH CAMPUS 02 umfasst ein multidisziplinäres Team, das sich national wie international mit anderen Instituten diesem Thema verschrieben hat. Das erste österreichische FU-Symposion im Mai 2016 war der erste Schritt ins Rampenlicht der community, mit dem neuen Forschungsprojekt sollen weitere folgen.

Aufbauend auf die theoretischen Arbeiten werden durch das Projekt praktische Unterstützungswerkzeuge zur Verfügung gestellt:

-) Leitfaden inklusive praktischer Handlungsempfehlungen, der das WIE. WARUM. WOFÜR. erklären kann und die Berücksichtigung der Besonderheiten von Familienunternehmen in den Fokus rückt.

-) Checklisten, die Betriebe individuell bearbeiten können, um die entscheidenden Einflussfaktoren der Digitalisierung auf ihr Unternehmen zu erheben.

-) Die Geschäftsmodellinnovation als drittes Element, das den Weg vom IST zum SOLL aufzeigt. Der Veränderungsprozess und seine Konsequenzen müssen für das Unternehmen erfasst und bewusstgemacht werden.

-) Die Transformation als letzter und entscheidender Teil hat den Übergangsprozess in all seinen Dimensionen (von der Form der Zielsetzung bis hin zur Kultur im Unternehmen) zum Inhalt.

„Erst die Integration aller Elemente ermöglicht einen zielgerichteten und erfolgversprechenden Weg, der die Komplexität von Familienunternehmen berücksichtigt", erklärt Martin Duque den Aufbau des Forschungsprojektes.

„Das Eintreten für Familienunternehmen ist mir nicht nur persönlich ein Herzensanliegen. Es geht um nicht weniger als einen Jahresumsatz von über 30 Milliarden Euro in der Steiermark, der durch diese Unternehmensgruppe erwirtschaftet wird. Mit der FH CAMPUS 02 haben wir nicht nur ein wertvolles Asset der Akademischen Ausbildung im Portfolio, wir sichern damit auch den Wissensvorsprung für steirische Betriebe", unterstreicht WKO-Präsident Ing. Josef Herk die Bedeutung der Bildungsarbeit in der Wirtschaftskammer.

Das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen KPMG stellt für die gesamte Laufzeit MitarbeiterInnen zur Verfügung, die sich vor allem auf die Bereiche Digitalisierung, Geschäftsmodellinnovation und Transformation konzentrieren. Dazu Mag. Gernot Winter von der KPMG: „Das Konzept verfolgt den einzigartigen Ansatz, neben den betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten, die Dimensionen der Psychologie und Soziologie zu betrachten. Das hat uns überzeugt, das Projekt zu begleiten. Wir wollen Familienunternehmen in Zeiten von Digitalisierung nicht nur rein fachlich sondern ganzheitlich unterstützen und ihnen die richtigen Instrumente zur Verfügung stellen."

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